04. Ausgabe / Januar 2021

Liebe Leserinnen, lieber Leser,

ich freue mich, Sie zur vierten Ausgabe unseres CBT Magazins für Ärzt*innen und Patient*innen begrüßen zu dürfen. Wir informieren Sie über aktuelle Entwicklungen im Gesundheitssystem sowie über Fragen zu Ihrer Gesundheit. Zudem eröffnen wir Ihnen durch ein CBT-lanciertes Kunstprojekt verschiedene Blickwinkel auf gesellschaftliche Phänomene, die die Medizin und unsere Sicht auf die Medizin beeinflussen.

Die aktuelle Situation in Bezug auf Covid-19 verdeutlicht, wie seit jeher im Gesundheitssektor verschiedenste Perspektiven aufeinandertreffen: Freiheit und Verantwortung des einzelnen Individuums, das Funktionieren einer Gesellschaft als Gesamtheit sowie die Konkurrenz einzelner fachspezifischer Betrachtungen um die Deutungshoheit komplexer Problemsituationen und Prozesse zur Entscheidungsfindung. Der Umgang mit Pandemien, die steigende Zahl von Volkskrankheiten, eine alternde Gesellschaft und die damit einhergehenden Fragen nach einer angemessenen Patientenversorgung stellen uns als demokratische Gesellschaft vor Herausforderungen, die u. a. im Zusammenspiel von medizinischem und technologischem Fortschritt, Ethik und Politik erörtert werden sollten. Der dafür notwendige kritische Diskurs ist nur im Ansatz vorhanden.

Diese Ausgabe widmet sich daher der Perspektivenvielfalt und führt über die scheinbare Peripherie der Medizin in ihr Zentrum, zu behandelten und behandelnden Menschen. Das Institute for Medical Humanities (IMH, ehem. Medizinhistorisches Institut) am Universitätsklinikum Bonn ist eine interdisziplinäre wissenschaftliche Einrichtung innerhalb der Medizinischen Fakultät, die neben ihrer Vermittlerfunktion zwischen den medizinischen Disziplinen eine wichtige Brückenfunktion zu anderen Fakultäten und zur Öffentlichkeit einnimmt. Mit Bezug auf das einleitende Zitat von Friedrich Nietzsche lässt sich sagen, dass selbst Betrachtungen, die mehrere Perspektiven einbeziehen, lediglich zu einem Begriff, einer bestimmten Objektivität führen. Diese Objektivität kann neben anderen Objektivitäten bestehen.
Was bleibt, sind die Freiheit, sich entscheiden zu können, und die Verantwortung, es zu tun. Medizinische und juristische Objektivität begegnen sich im Beitrag über die Einführung von Compliance-Systemen im Gesundheitssektor.

Die Ausstellung „Mehr als Medizin?“ versammelt Mediziner*innen, die ihre berufsbedingte Nähe zum Menschen und die aus ihr resultierenden Erfahrungen über das menschliche Sein für ihr literarisches und kulturelles Schaffen nutzten. Die Ausstellung wird in diesem Magazin als Reihe präsentiert. Diese Ausgabe zeigt Friedrich Schiller als Arzt der Seele sowie die Notwendigkeit von Freiheit und Entscheidungen für die Gesundung des Menschen.
Das Porträt „Neben der Reeperbahn“ aus dem Bildband „Archipel“ beschreibt gleich zu Beginn die Wahlmöglichkeiten von Perspektiven angesichts des sicheren Todes.

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen beim Entdecken und Erkennen.

PD Dr. med. Johannes Kruppenbacher
Arzt für Laboratoriumsmedizin, Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie –Bluttransfusionswesen Ärztlicher Leiter der CBT Gruppe und Herausgeber dieses Magazins

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